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Paarzeit

BILD
Von Chrisi
06. December, 2020

Ist das wirklich so? Fühlt sich die Realität gerade so an? Sobald man in die Rolle der Eltern schlüpft, verschieben sich plötzlich die Realitäten und Prioritäten schlagartig. Es dreht sich alles um das Baby. Dann werden daraus vielleicht mehrere Kinder und die Paarbeziehung rutscht immer mehr in den Hintergrund.

Doch es ist richtig, die Paarbeziehung ist das Fundament dieser Familie, sie ist der Ursprung und doch pflegen wir sie so wenig. Als mir bewusst wurde, dass dieser Beitrag absolut recht hat, schaute ich auf unsere Familie. Ich fragte mich: „An welcher Stelle steht aktuell unsere Paarbeziehung?“ An Erster? Ich bin ehrlich, für mich momentan nicht. Aktuell habe ich das Gefühl, tatsächlich nur für meine Kinder zu funktionieren. Dass ich meinen Ehemann respektvoll und liebevoll behandle, steht da außer Frage. Aber nehme ich mir bewusst Zeit nur für UNS? Wie viel Zeit war das in den letzten Wochen/Monaten, als wir unsere gemeinsame Beziehung pflegten?

Da Chris und ich sowieso ein sehr liebevolles und leidenschaftliches Paar sind, war es nicht schwer, wieder etwas mehr den Fokus auf uns und unsere Ehe zu legen. Ich startete mit kleinen Dingen. Wie, kurz inne halten, egal wie stressig die Situation war oder welches Kind gerade quietschte, ihn zu umarmen, zu küssen oder mich mal kurz an ihn zu schmusen. Das nächtliche Stillen nutze ich so: nachdem ich Sophia ablege, kuschele ich mich wenigstens kurz nochmal intensiv an ihn. Ich setzte mich am Esstisch neben ihn. Meistens sitzen wir uns gegenüber, damit jeder von uns Samuel helfen kann. Da Samuel jetzt aber schon so schön isst und nur noch selten Hilfe braucht, war das wieder ein Punkt in Richtung mehr Nähe im Alltag. Jede Mittagszeit, in der beide Kinder schlafen (passiert mit Glück 1 mal die Woche), wird als intensive gemeinsame Zeit genutzt. Das heißt, es wird alles stehen und liegen gelassen. Meistens für die besonders zärtliche Zeit, in der wir einfach nur die Frau und der Mann sind, die sich lieben. Denn Sex finden wir beide sehr wichtig und gerade der leidet in den ersten Wochen und Monaten besonders mit Baby.

Doch auch die kleinen Dinge machen eine Beziehung wieder besonders. Ein liebevoller Kuss, bevor man das Haus verlässt, liebe Worte wie: „Pass auf dich auf!“ , „Fahr vorsichtig!“ , „Ich liebe dich!“, „Wir brauchen dich, geb auf dich acht!“ zeigen täglich, was man einem Menschen bedeutet. Ein kurze Nachricht oder Anruf, „Wie gehts dir?“, „Ist alles okay?“. Kleine Aufmerksamkeiten wie, das Bier, was er gerne trinkt oder die Schoki, die er gerne nascht, einfach mal vom Einkauf mitbringen. Am frühen Morgen sich aus dem Schlafzimmer, mit den schon wachen Kindern, „schleichen“. Und wenn es die Kinder zulassen, dann bringe ich ihm (im HomeOffice) einen kleinen Frühstücksteller und Kaffee ins Büro, eine Kleinigkeit zum Mittag oder geh einfach kurz hoch, fahr ihm durch die Haare und liebkose ihn während der Arbeit. Wir entschuldigen uns nun schneller für kleine „Aussetzter“. Wir möchten unsere gemeinsame Zeit nicht verschwenden, indem wir uns vielleicht wegen Nichtigkeiten anmotzen. Also sucht einer von uns ein paar Minuten nach der stressigen und nicht so schönen Situation oft kurz das Gespräch. Aber meistens wissen wir ganz genau, was los war. Denn oft ist es die Situation, ein Kind ist quengelig und quietschig oder weint vielleicht sogar. Da stehen wir beide unter Strom und werden schnell pampig, wenn irgendwer irgendwas „falsch“/ anders macht. Dazu kommt der Schlafmangel und die ein oder andere Verspannung oder Wehwehchen, welche einen dann doch manchmal anders reagieren lassen als üblich. Aber als selbstverständlich, dass der Andere schon weiß, was los ist, nehmen wir das nicht hin. Denn ein kurzes Gespräch miteinander und eine Entschuldigung hat noch nie geschadet und die Versöhnungskuscheleinheit tut auch immer gut.

Unsere Vergangenheit spielt aber auch eine große Rolle. Wir hatten das Glück, uns sehr früh in unserem Leben kennen gelernt zu haben. Wir hatten eineFernbeziehung, haben im wahrsten Sinne unsere gemeinsame Zukunft geplant. Haben vorhandene Pläne auch mal über den Haufen geworfen und in uns und unsere Liebe vertraut. Wir waren 11,5 Jahre ein Paar, bevor wir Eltern wurden. Wir sind durch Höhen gegangen und habe Tiefen zusammen gemeistert. Das heißt, das Fundament, auf dem diese Familie gegründet wurde, ist massiv. Und um diese Metapher weiter zu spinnen, trotzdem müssen wir dieses Fundament pflegen, kleine Risse zügig wieder kitten, es nicht zu arg beanspruchen, damit die Risse nur kleine Erinnerungen und Lektionen bleiben und nicht das ganze Haus droht, in sich einstürzten. Doch unsere Liebe zueinander übersteht auch diese aufreibende Zeit, in der wir mehr für unsere Kinder aufbringen und ein bisschen „UNS“ zurückstecken, denn das gehört nun mal zum „Eltern werden“ dazu.

Seit Sophia auf der Welt ist, hatten wir noch keine gemeinsame Zeit ohne die Kinder. Unser „erstes Date“ nach der Geburt von unserem Sohn war ziemlich genau 10 Monate später, für ca. 2,5 Stunden, wir waren Sushi essen. Es war wunderschön. Wir haben viel geredet, auch mal nicht über unseren Sohn. Aber es war komisch. Wir waren beide etwas nervös, hatten beide unsere Handys am Tisch , (was sehr untypisch für uns ist). Nach dem Essen wollten wir wieder zügig zu unserem Sohn, obwohl wir wussten, er wird liebevoll von Oma und Opa umsorgt und schläft wahrscheinlich bereits. Trotzdem fühlt es sich immer „komisch“ an. Nun ist unser „erstes Date“ wieder geplant zu unserem 14ten Jahrestag, auch ein gemeinsames Essen. Es wird sich sicher wieder komisch anfühlen, aber ich freue mich auch wieder auf diese ganz exklusive Zeit nur WIR. Letztendlich ist es völlig normal und wichtig, dass man sich voll und ganz auf dieses kleine Wunder einlässt. Es umsorgt mit allen Kräften, welche der Körper hergibt und mit all der Liebe, die man im Herzen trägt, liebt.

Auch das Verständnis für die Frau ist wichtig, denn vor Allem die Frau verändert sich nicht nur körperlich, (das alleine löst schon eine große Gedankenflut aus), sondern auch die Gefühle sind ein absolutes Chaos und da ist gegenseitige Rücksichtnahme wichtig. Auch eine gewisse Anerkennung, was eine Frau für ihr Baby geleistet hat (Schwangerschaft, Geburt) und was sie und ihr Körper weiterhin leisten, sollte stets von dem/der Partner/in gesehen werden. Aber am Ende zählen für das Bestehen der Partnerschaft, denke ich, die Kleinigkeiten im Alltag. Kleine Aufmerksamkeiten, liebevolle Momente und auch reden über das, was einen bewegt, was man fühlt und was sich für einen verändert hat, wie es demjenigen dabei geht. Viel Verständnis füreinander und Ehrlichkeit, denn niemand kann in den Andere/n hineinschauen oder seine Gedanken lesen. Und ein gemütliches Gespräch, eingekuschelt auf der Couch oder im Bett kann auch ein sehr romantische Zeit zu zweit sein.

BILD
Von Chrisi
06. December, 2020

Über mich!

Die letzten 14 Jahre im Schnelldurchlauf: Aus einer Internetbekanntschaft in meiner Jugend ist die Liebe meines Lebens geworden. Wir haben geheiratet, er hat mich ins schöne fränkische Leutenbach entführt, wir haben ein Haus gebaut. Mein Sohn stellte 2018 meinen kompletten „Plan vom Leben“ auf den Kopf. Er zeigte mir auf, was wirklich zählt im Leben. Fast 2 Jahre später überraschte uns meine Tochter und ich bin in meiner Rolle als Mama vollkommen und erfüllt. Zudem bin ich etwas chaotisch, total verliebt in meinen Ehemann (Chris 33), hab einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und liebe die Fotografie, das Kochen und gutes Essen. Ich vermisse seit ungefähr 2,5 Jahren das Schlafen und seit ca. 6 Monaten bin ich dauerhaft müde. Die kuscheligsten Bewohner in unserem Haushalt sind Thor und Loki, zwei Britisch-Kurzhaar Kater. Ich bin gespannt, welche Überraschungen das Leben noch für mich auf Lager hat, die letzten 29,5 Jahre waren schon mal der Hammer. Im Moment bin ich noch in Elternzeit und genieße 24/7 „Mamaalltag“. Beruflich arbeite ich als Systemspezialistin für Mammographiesysteme in einem globalen Unternehmen und der Plan ist, Ende des Jahres, dort langsam wieder einzusteigen. Aber was Pläne wert sind, hat mir das Leben jetzt schon mehrere mal gezeigt.

Grüße Chrisi